Lostkarten - Das Verschwinden einer herzlichen Geste

Ein Wochenende im Schwarzwald oder eine weite Reise in die Südsee - Urlaub war stets ein Anlass um seinen Angehörigen und Liebsten eine kleine aber besondere Aufmerksamkeit zu schenken: das Versenden einer Postkarte.

 

Bunte Motive auf der Vorderseite, die meist das Reiseziel und/oder dessen beliebteste Sehenswürdigkeiten abbildete, boten dem Empfänger einen visuellen Vorgeschmack und machten Lust auf mehr Informationen. Auf der Rückseite dann, verfasste der der Sender nun ein paar persönliche Zeilen und schilderte bisherige Erlebnisse vom Urlaubsort oder Erfahrungen mit der Unterkunft. Ein weiteres Highlight stellten die verwendeten Briefmarken da, die abhängig vom Reiseland exotische außergewöhnlich wirken konnten. Eine Postkarte bewahrten man auf und konnte sich auch Jahre später noch über die Geste eines guten alten Freundes oder eines Familienmitglieds freuen.

 

 

Auf vielen Trödelmarkten findet man heute die letzten Überreste dieses Brauches. Alte Sammlungen werden verkauft und zeigen, von wo und zu welchen Anlässen Postkarten verschickt wurden. Stellt man nun einen Vergleich zum heutigen Usus an, wird man sich traurige Wahrheit schnell bewusst: das Versenden von Briefen und Postkarten stirbt langsam aber sicher aus. Geschuldet ist dies dem vorherrschenden digitalen Wandel, der es Menschen zu leicht macht, Nachrichten auf anderem jedoch viel unpersönlicherem Wege zu verbreiten. Urlaubsgrüße werden heutzutage meist per Gruppennachrichten über digitale Messenger versendet - der Vorteil: es geht schnell; der Nachtteil: es wird auch schnell wieder vergessen. Das Ausbleiben einer physischen Grußform führt dazu, dass persönliche Nachrichten nach dem Empfangen rasch dem Bewusstsein entschwinden. Sowohl dem Versenden als auch dem Erhalten einer solchen Nachricht kann aufgrund der geringen Mühe, die aufgebracht werden muss, weniger Bedeutung beigemessen werden. An dieser Stelle an die Digitalisierung zum Fortschreiten eines anonymeren Miteinander geführt.

 

Doch welche positiven Eigenschaften entnehmen wir dem Trend? Im Sinne des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit ist das zurückgehende Versenden von Postkarten ein wahrer Segen. Zum einen findet keine Papierverschwendung statt, zum anderen wird die Umwelt geschont, indem weniger CO2-erzeugende Transporte in Anspruch genommen werden müssen. Die Versendung einer Nachricht erfolgt digital und ohne größere, spürbare Belastung der Natur.

 

Ist es nun möglich, eine Lösung zu finden, die den persönlichen Charakter eines Urlaubsgrußes beibehält aber trotzdem nachhaltige und trotzdem weiterhin die Umwelt schont. Die Antwort ist ja. Zum einen liegt die Verantwortung hierbei beim Sender. Er sollte Nachrichten, wenn er sie denn ernst meint, individuell verfassen und nicht gruppenweise versenden. Gerne dürfen ein paar mehr Worte gefunden und ihnen eine persönliche Note eingehaucht werden. Auch der Empfänger hat die Chance, einer Nachricht wieder mehr Wert beizumessen. Erhaltene Nachrichten von Bekannten und Verwandten aus dem Urlaub können per Screenshot festgehalten und in einem digitalen Ordnung abgelegt werden. So kann man sich auch Wochen später noch über versendete Grüße freuen und lernt diese wieder mehr schätzen zu wissen.

 

Trends und Entwicklungen, Veränderung und Umschwünge bieten Risiken und Chancen zugleich. Bei einem verantwortungsbewusst Umgang können Vorteile aus Vergangenen und Zukunft, analoger und digitaler Welt zusammengeführt werden. Postkarten sollen uns exemplarisch darin erinnern, trotz vernetzter Welt nicht den Bezug zum Nahestehenden zu verlieren.

 

Liebe Grüße und bis bald

euer un-fcking famous Team


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